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Insolvenzen Marktanalyse DACH

Insolvenzen in der DACH-Region: Entwicklung und Analyse

Analyse der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Betroffene Branchen, Ursachen und Ausblick.

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Firmium Team · · · 4 min Lesezeit
Teilen: | Mit KI zusammenfassen: ChatGPT Claude Gemini

Die Insolvenzstatistik ist ein Seismograph der Wirtschaft. Sie zeigt, welche Branchen unter Druck stehen, wo strukturelle Probleme liegen und wie sich konjunkturelle Entwicklungen auf Unternehmen auswirken.

Hinweis: Alle Zahlen stammen aus offiziellen Quellen (Destatis, Creditreform, KSV1870, Schweizer Bundesamt für Statistik). Die aktuellsten verfügbaren Jahresdaten beziehen sich auf 2024.

Insolvenzentwicklung im Überblick

Deutschland

Laut Destatis und Creditreform:

Jahr Unternehmensinsolvenzen Veränderung Quelle
2022 ca. 14.600 Destatis
2023 ca. 18.100 +24% Destatis
2024 21.812 – 22.400 +22–24% Destatis/Creditreform

Wichtige Kennzahlen 2024: - Höchster Stand seit 2015 (damals 23.180 Fälle) - Gläubigerschäden: 56 Mrd. € (Vorjahr: 31,2 Mrd. €) - Betroffene Arbeitsplätze: ca. 320.000 (Vorjahr: 205.000) - 81% betreffen Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter) - Großinsolvenzen (+250 MA): +44% gegenüber Vorjahr

Österreich

Laut KSV1870 Insolvenzstatistik:

Jahr Unternehmensinsolvenzen Veränderung
2023 ca. 5.350
2024 6.587 +23%

Wichtige Kennzahlen 2024: - Durchschnittlich 18 Firmenpleiten pro Tag - Passiva: 18,9 Mrd. € (+35% gegenüber Vorjahr) - 86 Großinsolvenzen (>10 Mio. € Passiva), Vorjahr: 44 - 50.300 betroffene Gläubiger (+10%) - 29.600 betroffene Arbeitnehmer (+25%) - KSV1870-Prognose 2025: 6.500–7.000 Fälle

Schweiz

Laut Bundesamt für Statistik und Creditreform Schweiz:

Jahr Firmenkonkurse Veränderung
2023 ca. 10.000
2024 11.506 +15%

Wichtige Kennzahlen 2024: - Neuer Höchststand bei Firmenkonkursen - 17.036 Konkursverfahren insgesamt (inkl. Privatpersonen) - Rekordzahl bei Betreibungen: 3,3 Mio. Zahlungsbefehle (+8,5%)

Betroffene Branchen

Die Insolvenzstatistiken zeigen klare Branchenschwerpunkte:

Insolvenzhäufigkeit nach Branchen (Deutschland, Oktober 2025)

Laut Destatis, bezogen auf 10.000 Unternehmen:

Branche Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
Verkehr und Lagerei 12,3
Gastgewerbe 10,5
Baugewerbe 8,5
Durchschnitt alle Branchen 6,1

Branchenverteilung Schweiz (2024)

Branche Anteil an Konkursen
Baugewerbe 22%
Handel 18%
Unternehmensdienstleistungen 18%
Gastgewerbe 11%

Haupttreiber der Insolvenzen

Baugewerbe: - Zinswende hat Wohnungsbau stark getroffen - Projektentwickler in Schwierigkeiten - In allen drei Ländern überdurchschnittlich betroffen

Gastgewerbe: - Nachwirkungen der Pandemie - Gestiegene Energie- und Personalkosten - Fachkräftemangel

Handel: - Strukturwandel durch E-Commerce - Konsumzurückhaltung - Stationärer Handel unter Druck

Ursachenanalyse

Makroökonomische Faktoren

Zinswende: Der schnelle Anstieg der Zinsen hat viele Geschäftsmodelle unter Druck gesetzt: - Höhere Finanzierungskosten - Sinkende Immobilienwerte - Konsumzurückhaltung

Energiekosten: Trotz Normalisierung liegen die Kosten über Vor-Krisen-Niveau: - Energieintensive Branchen leiden - Internationale Wettbewerbsnachteile

Nachfrageschwäche: Konsumenten und Unternehmen halten sich zurück: - Investitionsstau im Mittelstand - Vorsichtiger Konsum

Strukturelle Faktoren

Digitalisierungsrückstand: Viele Unternehmen haben die digitale Transformation verschlafen: - Veraltete Geschäftsmodelle - Ineffiziente Prozesse - Fehlende Online-Präsenz

Fachkräftemangel: Fehlendes Personal bremst Wachstum und Effizienz: - Lohnkostensteigerungen - Aufträge können nicht bedient werden - Qualitätsprobleme

Nachfolgeprobleme: Viele Familienunternehmen finden keine Nachfolger: - Ungeregelte Übergaben - Veraltete Strukturen - Emotionale Bindung an Geschäftsmodell

Insolvenzverfahren verstehen

Regelinsolvenz

Das Standardverfahren für größere Unternehmen:

  1. Antragstellung (durch Schuldner oder Gläubiger)
  2. Vorläufiger Insolvenzverwalter prüft Lage
  3. Eröffnung oder Abweisung mangels Masse
  4. Verwertung oder Sanierung
  5. Verteilung an Gläubiger

Eigenverwaltung

Unternehmen führen das Verfahren selbst: - Geschäftsführung bleibt im Amt - Sachwalter überwacht - Geeignet für sanierungsfähige Unternehmen

Schutzschirmverfahren

Drei Monate Zeit für Sanierungskonzept: - Antrag vor Zahlungsunfähigkeit möglich - Eigenverwaltung vorgesehen - Hohe Erfolgsquote

Früherkennung von Insolvenzen

Red Flags in Finanzdaten

Warnsignal Was es bedeutet
Negatives Eigenkapital Überschuldung
Sinkende Liquiditätsgrade Zahlungsprobleme drohen
Steigende Verbindlichkeiten Finanzierungsprobleme
Rückläufige Umsätze über Jahre Strukturelles Problem
Hohe Gesellschafterdarlehen Eigenkapital-Ersatz

Nicht-finanzielle Warnsignale

  • Häufige Geschäftsführerwechsel
  • Abgang von Führungskräften
  • Verzögerte Jahresabschlüsse
  • Negative Presseberichte
  • Lieferantenwechsel und Zahlungsverzug

Auswirkungen auf Geschäftspartner

Lieferanten

  • Forderungsausfall
  • Insolvenzanfechtung möglich
  • Lieferketten-Unterbrechung

Kunden

  • Garantie- und Gewährleistungsansprüche gefährdet
  • Anzahlungen verloren
  • Ersatzbeschaffung notwendig

Wettbewerber

  • Marktanteilsgewinne möglich
  • Personal-Akquisition
  • Übernahme von Kundenbeziehungen

Schutzmaßnahmen

Für Lieferanten

  1. Finanzanalyse vor Vertragsabschluss
  2. Eigentumsvorbehalt in AGB
  3. Kreditlimits definieren und überwachen
  4. Warenkreditversicherung prüfen
  5. Monitoring mit Insolvenz-Monitor und Firmen-Watchlist

Für Kunden

  1. Anzahlungen minimieren
  2. Vertragsgestaltung mit Sicherheiten
  3. Alternative Lieferanten identifizieren
  4. Escrow-Lösungen für große Beträge

Ausblick

Expertenprognosen

Deutschland (Creditreform): Laut Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, könnten die Insolvenzzahlen bald wieder an die Höchstwerte der Jahre 2009/2010 heranreichen, als über 32.000 Unternehmen in die Insolvenz gingen.

Österreich (KSV1870): Der KSV1870 rechnet für 2025 mit 6.500 bis 7.000 Unternehmensinsolvenzen.

Einflussfaktoren

Fortsetzende Belastungen: - Nachwirkungen der Zinswende - Strukturelle Anpassungen in betroffenen Branchen - Hohe Energie- und Personalkosten

Potenzielle Stabilisierung: - Mögliche Zinssenkungen - Anpassung der Geschäftsmodelle - Konsolidierung bereits fortgeschritten

Fazit

Die Insolvenzentwicklung 2025 zeigt eine Wirtschaft im Umbruch. Die Zahlen spiegeln strukturelle Veränderungen wider: Digitalisierung, Energiewende, veränderte Konsummuster. Unternehmen, die diese Transformation nicht schaffen, scheiden aus.

Für Geschäftspartner bedeutet das erhöhte Wachsamkeit. Regelmäßige Prüfung der Finanzlage und Monitoring der wichtigsten Kunden und Lieferanten sind keine Kür mehr, sondern Pflicht.


Insolvenzrisiken frühzeitig erkennen: Der Insolvenz-Monitor und die Firmen-Watchlist warnen Sie frühzeitig vor Risiken bei Ihren Geschäftspartnern.

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Geschrieben von

Firmium Team

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